Tulio de Oliveira

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 22. Mai 2022

Dass die Welt frühzeitig vor der ansteckenden Omikron-Variante gewarnt wurde, ist dem Bioinformatiker Tulio de Oliveira und seinem Team zu verdanken. Ein Besuch an seinem Dienstsitz in Südafrika – eine alte Weinkellerei.

„Lasst uns in unseren Meeting-Raum gehen“, sagt Tulio de Oliveira. Er führt uns aus der alten weiß getünchten Weinkellerei in den Garten. Im Schatten eines von Farnen überwucherten Baumes nehmen wir Platz an einem Tisch mit zwei Bänken. Es ist noch Sommer in Südafrika, die Omikron-Welle bereits abgeflacht und die fünfte Corona-Welle, die jetzt Mitte Mai gerade ihren Höhepunkt erreicht, noch kein Thema. Hier, in der zu Büros umgebauten ehemaligen Kellerei in Stellenbosch – die Gegend um diese Stadt ist bekannt für ihre Weine – hat de Oliveira erst vor wenigen Wochen seinen Arbeitsplatz bezogen.

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Algenbauer Sansibar

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 3. Mai 2022

Die Zucht von Rotalgen ist lukrativ für den Export, und auf Sansibar kümmern sich vor allem Frauen um den Anbau im Meer. Nun zwingt der Klimawandel viele, ihre Felder in tieferes Wasser zu verlegen, doch die wenigsten können schwimmen oder besitzen ein Boot für die Ernte.

Der Mond bestimmt, wann Mwanaisha Makame Simai ihre Felder im Meer vor Sansibar besuchen kann oder wann das Wasser diese für sie unerreichbar macht. Sie ist Muslimin, alle wichtigen Feiertage und Ereignisse in ihrem Leben richten sich nach diesem Himmelskörper – sie weiß, in welchen Nächten der Mond in voller Schönheit oder eben nicht einmal als schmale Sichel zu sehen ist. Tags darauf herrscht jeweils Springflut, da ist der Unterschied zwischen den Gezeiten am größten, und der Indische Ozean gibt ihre Felder bei Ebbe für ein paar Stunden frei. Genug Zeit, um sie zu pflegen und abzuernten. So auch heute, nur ist Makame Simai etwas spät dran, das Wasser steigt schon wieder.

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invasive Pinien in Südafrika

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 3. März 2022

Sie brauchten Holz, deshalb führten Siedler in Südafrika Akazien, Pinien und Eukalyptus ein. Heute bedrohen diese ­Bäume die ­Ökosysteme und die Wasservorräte des Landes. Eine Reportage über die Rettungsversuche mit Kletterseil und Säge.

Es sind die kleinen, zartgrünen Bäumchen, deren Stämme noch biegsam sind, die Zikhona Gcakamani am meisten frustrieren. Die sind überall, bedecken manchmal ganze Berghänge. Eine der großen Pinien umzusägen sei befriedigender. „Da sieht man, dass man vorankommt“, sagt die 31-Jährige. Sie steht am Rande einer Felswand, einen Schritt weiter ginge es 200 Meter in die Tiefe. Im Tal rollt der Steilhang sanft aus und endet am Ufer des Theewaterskloof-Stausees, des wichtigsten Reservoirs für Kapstadts Wasserversorgung. …
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Fluxturm im Kongo Regenwald

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 16. Jänner 2022

Welche Bedeutung das ausgedehnte Regenwaldgebiet im Kongobecken für das globale Klima hat, ist bislang kaum erforscht. Das ändert sich jetzt, dank eines modernen Messturms.

Für die 221 Sprossen Richtung Himmel braucht Fabrice Kimbesa lediglich zwei Minuten. Geübt erklimmt der 26-Jährige eine nach der anderen, bis er am Ende der Leiter ankommt, sein Sicherheitsseil ausklinkt und auf die Plattform des CongoFlux-Turms klettert. Vor seinen Augen erstreckt sich jetzt nach allen Seiten ein grünes, schier unendliches Meer an Baumkronen, und selbst die höchsten Wipfel liegen noch 15 Meter unter ihm. …
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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Im Kongobecken ist eine Renaissance der Forstwissenschaften zu beobachten. Wie eine Forschungsstation dem Klima- und Artenschutz dienen kann. Ein Storytelling. 

Joel Litale steht auf einer Leiter, die an den mächtigen Stamm eines Mukulungu gelehnt ist. Er legt ein Maßband zwischen zwei Linien, die mit roter Farbe auf etwa vier Meter Höhe um den Baum gezogen sind, dessen botanischer Name Autranella congolensis lautet. Auf der anderen Seite des Stammes schiebt Augustin Iyokwa das Band, auf dem Vielfache der Kreiszahl Pi als Maßeinheiten angegeben sind, mithilfe eines Stockes zwischen die roten Linien. „Der Durchmesser beträgt 63,8 Zentimeter“, ruft Litale seinem Kollegen zu und steigt von der Leiter, während Iyokwa die Zahl auf einem Blatt Papier notiert. Die beiden Forstwirte tragen grüne Arbeiterkluft, Gummistiefel gegen Schlangenbisse und Helme, die sie vor Früchten schützen sollen, die immer wieder lautstark von bis zu vierzig Meter hohen Bäumen zu Boden donnern. Regen prasselt auf das dichte Blätterdach und tropft herab. Es ist Mitte September, in der Demokratischen Republik Kongo hat die Regenzeit gerade begonnen. 

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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung/FAZ.net
7. September 2021

Werden die Nebelwälder für Ackerland, Bau- und Brennholz geopfert, verlieren die Komoren mehr als nur ein paar alte Bäume. Ein Reportage.

Das Feld, auf dem Sidi Abdoulatif arbeitet, hat Hanglage. Es ist so steil, dass sich der 60-Jährige kaum halten kann und sich immer wieder mit einer Hand abstützen muss, um mit der anderen Unkraut zu jäten. Er will Tarot, Maniok und Süßkartoffeln pflanzen. Das Grundstück hat er vor ein paar Jahren gekauft, als er von seinem Job als Wächter eines Telefonmasten in den Ruhestand geschickt worden war. Ohne Pension, deshalb muss er sich ein Einkommen auf dem Feld verdienen. Zuvor lag das Land brach, jeder Regenschauer schwemmte mehr Erde den Steilhang hinab, der Boden war ausgelaugt. Nichts wuchs, bis Abdoulatif sein Feld mit Gliricidia sepium umpflanzte. Schnell wachsende Robinien, die zu den Leguminosen zählen und den Boden mit Stickstoff anreichern, somit dessen Fruchtbarkeit steigern. Ihre Blätter dienen als Dünger oder Viehfutter, und die Wurzeln ziehen Wasser nach oben und geben dem Boden Halt.
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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 9. Mai 2021

Mit einer Machete schiebt Yaya Chabi Ota trockenes Laub zur Seite und sucht mit seinen Augen aufmerksam den Waldboden ab. Nur vereinzelt bahnen sich Sonnenstrahlen einen Weg durch die dichten Baumkronen, wenig Licht dringt bis nach unten durch in diesem Waldstück im Norden Benins, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Togo entfernt. „Irgendwo hier muss es sein“, sagt der 45-Jährige. Er ist einer von fünf Öko-Guards, die den Wald von Kikélé vor Wilderern und Baumfällern schützen sollen. Sie patrouillieren Tag und Nacht, schlafen auch manchmal unter Bäumen. Chabi Ota, der Hosen in Tarnfarben und feste Stiefel trägt, bleibt stehen, bückt sich und zeigt mit der Machete auf den Boden: „Hier sind die Gräber der Affen!“ …
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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und FAZ.net, 7. Juni 2021

Am 5. Juni 1981 erfuhren Ärzte und Forscher erstmals von einer rätselhaften Krankheit. Zunächst waren es nur wenige Fälle, daraus wurde bald eine Pandemie: Aids. Heute, vierzig Jahre später, gibt es noch immer keinen HIV-Impfstoff. Warum?

Es begann mit einem Pilz. Zwischen Oktober 1980 und Mai 1981 wurden fünf Männer in Los Angeles mit einer gefährlichen Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert, zwei von ihnen starben. Der Erreger: Pneumocystis carinii, ein Pilz, der eigentlich nur für ältere und geschwächte Menschen zum Problem wird. Doch die Männer in Los Angeles waren zwischen 29 und 36 Jahre alt. 

Den ganzen Artikel von Kai Kupferschmidt und mir gibt es auf FAZ.net!

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19. Januar 2021

Wenn im Blut zu viele Sichelzellen schwimmen, ist das Leid groß. Was hilft den Kranken? Eine Reportage aus Lomé, Tunis und Bielefeld. Von Laura Salm-Reifferscheidt (Text) und Nyani Quarmyne (Fotos)

Wenn es Julien gutgeht, tanzt er gerne mit seiner Freundin. Am liebsten den lateinamerikanischen Bachata. Danach gehen sie in ein Restaurant, manchmal ins Kino. Allerdings ging es Julien in den letzten Jahren nur selten gut, und den Weg von der Arztpraxis zur Apotheke in Bielefeld schafft der 27-Jährige nur langsam und leicht gebückt. Als er sein Rezept für ein Schmerzmittel vorlegt, fällt einer Mitarbeiterin auf, dass sie ihn schon lange nicht gesehen hat. „Ich war gerade fünf Wochen im Krankenhaus“, erklärt Julien und zeigt durch das Schaufenster auf ein gesichtsloses Hochhaus. Von dort ist er erst vor zwei Tagen entlassen worden. …

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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Die Geschichte einer Seuche – oder wie Ägypten den Kampf gegen Hepatitis C fast verlor und heute ein Vorbild für andere Länder sein könnte.  

Das Jahr 1962 ist für Raymond Schinazi ein dramatischer Einschnitt und in besonderer Erinnerung geblieben. Als der damals 12-Jährige mit seiner Familie aus den Sommerferien zurückkommt, ist alles anders. Das Haus verschlossen, die Autos verschwunden, die Konten eingefroren, er darf nicht mehr zur Schule. Die Schinazis, die seit Generationen in Alexandria leben, sind wie viele andere jüdische Familien vor ihnen zum Ziel der nationalistischen Politik des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser geworden. Die Schinazis ziehen ins Hotel, harren noch eine Weile in Ägypten aus. 1964 geben sie auf und fliehen auf einem Schiff Richtung Europa. Raymond will noch einmal vom Deck zurückblicken und winken. „Es war Nacht, und ich wollte die Lichter von Alexandria sehen“, erinnert er sich heute. Sein Vater hielt ihn davon ab: „Schau nicht zurück. Es ist vorbei. Ägypten ist vorbei für uns.“ Einige Tage später kommt die Familie in Neapel an. Ihr neues Leben beginnt in einem Flüchtlingslager. Die Geschichte, die Raymond Schinazi ein halbes Jahrhundert später in seine Heimat zurückbringen wird, ist die Geschichte einer Seuche, die droht, ein ganzes Land in die Knie zu zwingen. Es geht um Millionen von Menschenleben und Milliarden Dollar. Im Zentrum: Ein Virus, von dessen Existenz Anfang der Sechziger niemand weiß, Hepatitis C. …

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