{"id":396,"date":"2011-09-07T09:56:45","date_gmt":"2011-09-07T07:56:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.laurasalm.com\/?p=396"},"modified":"2019-11-30T10:49:28","modified_gmt":"2019-11-30T08:49:28","slug":"auf-dem-voodoo-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.laurasalm.com\/?p=396","title":{"rendered":"Auf dem Voodoo-Weg"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-400\" title=\"Voodo in Benin von Ann Christine Woehrl\" src=\"https:\/\/www.laurasalm.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/BENIN_13_02_2011_GRAND-POPO_21215.jpg\" alt=\"Voodoo in Benin von Ann Christine Woehrl\" width=\"560\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/www.laurasalm.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/BENIN_13_02_2011_GRAND-POPO_21215.jpg 560w, https:\/\/www.laurasalm.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/BENIN_13_02_2011_GRAND-POPO_21215-300x123.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/reise\/article13583221\/Auf-dem-Voodoo-Weg.html\" target=\"_blank\">Welt am Sonntag<br \/>\n<strong>Auf dem Voodoo-Weg<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Fetische, Amulette, Opferrituale: Ein Besuch im westafrikanischen Benin, Heimat der magischen Naturreligion<\/strong><\/p>\n<p>Der Regen prasselt hinab, so als ob den G\u00f6ttern eingefallen ist, dass sie den Menschen mal wieder etwas Wasser schicken sollten und mit himmlischem \u00dcberma\u00df das Vers\u00e4umte nachholen. Die sonst so trockene rote Erde auf den Stra\u00dfen von Porto Novo schwimmt davon. Der Himmel wird immer dunkler, der Regen noch heftiger.<\/p>\n<p>Die Wolken werden sich jedoch bis zum n\u00e4chsten Tag wieder verzogen haben, wei\u00df Felicite\u00e9, die Betreiberin der Pension &#8220;Da Silva&#8221; im Herzen der Hauptstadt der kleinen westafrikanischen Republik Benin. Der hiesige Regenmacher hat n\u00e4mlich seine H\u00e4nde im Spiel. Er hat einen guten Draht zu den G\u00f6ttern und hat daf\u00fcr gesorgt, dass es in n\u00e4chster Zeit nur am Wochenende regnen wird. Denn an den Wochentagen m\u00fcssen die Stra\u00dfen Porto Novos neu geteert werden. Regen darf da die Arbeiter auf keinen Fall aufhalten.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Benin beeinflussen die G\u00f6tter, Geister und Ahnen die Geschicke der Gl\u00e4ubigen jeden Tag aufs Neue. Hier liegen die Urspr\u00fcnge des Voodoo. \u00dcber 60 Prozent der mehr als neun Millionen Einwohner des Landes am Golf von Guinea bezeichnen sich heute als Christen oder Muslime. Doch die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung bleibt gleichzeitig ihrer traditionellen Religion treu.<\/p>\n<p>Sie betet zu den unz\u00e4hligen G\u00f6ttern des Voodoo und bringt Ahnen- und Naturgeistern Opfer dar. Kleine wei\u00dfe Flaggen kennzeichnen Schreine und Opferst\u00e4tten. Schilder am Stra\u00dfenrand weisen auf die K\u00fcnste von Orakel-Priestern und Medizinm\u00e4nnern hin. Einmal im Jahr findet am Strand von Ouidah, einer kleinen Stadt etwa hundert Kilometer westlich von Porto Novo, ein gro\u00dfes Voodoo-Festival statt. Im 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhundert, als ein Teil von Benin noch das m\u00e4chtige K\u00f6nigreich Dahomey war, wurden von hier aus jedes Jahr 20 000 Sklaven auf die Schiffe der europ\u00e4ischen H\u00e4ndler verladen. Die M\u00e4nner und Frauen mussten alles zur\u00fccklassen &#8211; bis auf ihren Glauben. Und so gelangte Voodoo in die Karibik, nach Nord- und S\u00fcdamerika. In Europa wird die Religion bis heute als blutr\u00fcnstiger, unheimlicher Kult abgetan. Doch von N\u00e4geln durchbohrte Puppen und Zombies sind in Benin nicht zu finden.<\/p>\n<p>&#8220;Unsere Religion ist rein. Es geht um Heilung, um Toleranz und um Liebe&#8221;, sagt der Oberpriester Daagbo Hounon Tomadjlehoukpon aus Ouidah \u00fcber Voodoo oder Vod\u00fan, wie es in der im S\u00fcden Benins verbreiteten Fon-Sprache hei\u00dft. Das bedeutet so viel wie Gott oder Geist. Im Geh\u00f6ft des Priesters laufen Vorbereitungen f\u00fcr eine wichtige Zeremonie. Immer mehr Besucher dr\u00e4ngen sich im Hof des Geb\u00e4udes. Einige G\u00e4ste tragen elegante Kleider und Anz\u00fcge aus bunt gemusterten Stoffen. Andere haben nur ein Tuch um ihren K\u00f6rper gewickelt. Verk\u00e4ufer dr\u00e4ngen sich durch die Menge. Geschickt balancieren sie riesige Sch\u00fcsseln und Tabletts aus Blech auf ihren H\u00e4uptern, beladen mit Getr\u00e4nken und Snacks. Eine Gruppe von Musikern heizt mit ihren immer schneller werdenden Trommelrhythmen die Stimmung an.<\/p>\n<p>Der in einen weiten, wei\u00dfen Umhang gekleidete und mit sakralen Ketten geschm\u00fcckte Gastgeber verschwindet gefolgt von weiteren M\u00e4nnern in einem kleinen Tempel. Darin steht eine Fetisch-Figur des Donnergottes Heviosso. Ein Dutzend Frauen wirft sich vor dem Heiligtum zu Boden. Nach ein paar Minuten tritt einer der M\u00e4nner aus dem Tempel und h\u00e4lt eine tote Ziege \u00fcber seinen Kopf. Das Blut des Tieres wurde dem Donnergott geopfert. Es spendet der Gottheit jene Energie, die diese ben\u00f6tigt, um den Lebenden ihre W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen und ihre Probleme zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Wer die G\u00f6tter und Ahnen vernachl\u00e4ssigt, dem droht ihr Groll und Missmut. Eine alte Frau greift nach dem Tierkadaver, verbei\u00dft sich darin und tanzt ekstatisch im Kreis. Die Anh\u00e4ngerin Heviossos ist in Trance gefallen. Der Donnergott hat sich ihres K\u00f6rpers bem\u00e4chtigt. Andere Gl\u00e4ubige fallen in den wilden Tanz mit ein; die Zeremonie zieht sich bis in die Nacht. Opferrituale wie dieses geh\u00f6ren in Benin zum Alltag, genauso wie das Auftreten der Egungun. Die Mitglieder dieses Geheimbundes verlassen ihre Kl\u00f6ster f\u00fcr wichtige Feiern, etwa wenn jemand verstorben ist. Es sind die Geister der Ahnen, welche die M\u00e4nner unter den opulent bestickten Kost\u00fcmen lenken. Die Egungun drehen sich wild im Kreis und steuern zielstrebig auf die umstehende Menge zu. Mit unmenschlichen blechernen Stimmen \u00fcbermitteln die Besucher aus dem Jenseits Nachrichten und Ratschl\u00e4ge an die Hinterbliebenen.<\/p>\n<p>Ein Assistent mit einer langen Rute achtet darauf, dass die Wesen den Zuschauern nicht zu nahe kommen. Denn eine Ber\u00fchrung bedeutet den sofortigen Tod. Kleine Kinder laufen kreischend vor den Unget\u00fcmen davon, Erwachsene springen angsterf\u00fcllt zur Seite. Ein Mann reagiert zu langsam und wird von einem Egungun gestreift. Er sackt auf der Stelle in sich zusammen. Mitglieder des Geheimbundes tragen den leblosen K\u00f6rper in ihr nahe gelegenes Kloster. Man sagt, der Tote wird mit magischen Tr\u00e4nken wieder zum Leben erweckt.<\/p>\n<p>Die Zutaten f\u00fcr solche geheimnisvollen Mischungen, aber auch f\u00fcr die Opfergaben, die Herstellung von sch\u00fctzenden Amuletten, zur Aufhebung eines b\u00f6sen Zaubers oder f\u00fcr die heilenden Tinkturen der Medizinm\u00e4nner bekommt man auf einem Fetisch-Markt, etwa dem von Cotonou. Von Ouidah aus gelangt man auf der Route des P\u00eaches in die Wirtschaftsmetropole, eine von Palmen ges\u00e4umte Sandpiste entlang des Meeres.<\/p>\n<p>Zwischen den B\u00e4umen haben die Fischer ihre Netze zum Flicken aufgespannt. Riesige h\u00f6lzerne Pirogen liegen wie gestrandete Wale im Sand. Vom Strand her t\u00f6nt der Singsang der M\u00e4nner, die im Takt an einem langen Seil ziehen, um ihren schweren Fang aus dem Wasser zu holen. Doch nicht immer ist es den Fischern erlaubt, ihre Netze auszuwerfen. Denn es gibt Tage, da geh\u00f6ren das Meer und seine Sch\u00e4tze nur den G\u00f6ttern.<\/p>\n<p>Im Zentrum von Cotonou liegt der Markt von Dantokpa, der sich entlang der Lagune schmiegt. Hier st\u00f6\u00dft man inmitten von Obst- und Gem\u00fcsebergen, Stoffverk\u00e4ufern und Kohleh\u00e4ndlern auf die St\u00e4nde der Medizinm\u00e4nner und Heiler. Der saure Geruch von Tod und Verwesung verdr\u00e4ngt die idyllischen Bilder von Palmen, Strand und Meer aus den Gedanken. Auf den Tischen stapeln sich schrumpelige Flederm\u00e4use, Papageienschn\u00e4bel, getrocknete Schlangenh\u00e4ute und Affensch\u00e4del. Ein modisch gekleideter Junge, stellt sich als traditioneller Heiler vor. Doch er k\u00fcmmert sich nicht nur um die nat\u00fcrlichen und \u00fcbernat\u00fcrlichen Krankheiten seiner Kunden, sondern hilft diesen auch in Herzensangelegenheiten. Aus einer dunklen Ecke seines Ladens zieht er eine h\u00f6lzerne Figur hervor, an der zahlreiche Schl\u00f6sser h\u00e4ngen. Wer seine Angebetete dazu bringen m\u00f6chte, die Liebe zu erwidern, muss nur ein weiteres Vorh\u00e4ngeschloss an der magischen Figur anbringen. &#8220;Nichts kann die Beziehung dann je wieder zerst\u00f6ren&#8221;, erkl\u00e4rt der Verk\u00e4ufer \u00fcberzeugt. \u00c4u\u00dferungen des Erstaunens und des Unglaubens w\u00e4hrt er blo\u00df mit einer wegwerfenden Handbewegung ab. In Benin sind diese Dinge eben Realit\u00e4t. Der Glaube an die Macht der G\u00f6tter und Ahnen, an Magie und Zauberei ist ungebrochen.<\/p>\n<p>Von der Autorin und <a href=\"http:\/\/www.ann-christine-woehrl.com\" target=\"_blank\">Ann-Christine Woehrl<\/a> ist soeben das Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3724310404\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=laurasalm-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3724310404\">Voodoo: Leben mit G\u00f6ttern und Heilern in Benin<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=laurasalm-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3724310404\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/> erschienen, Terra Magica, 160 S., 140 Fotos, 39,99 Euro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welt am Sonntag Auf dem Voodoo-Weg Fetische, Amulette, Opferrituale: Ein Besuch im westafrikanischen Benin, Heimat der magischen Naturreligion Der Regen prasselt hinab, so als ob den G\u00f6ttern eingefallen ist, dass sie den Menschen mal wieder etwas Wasser schicken sollten und mit himmlischem \u00dcberma\u00df das Vers\u00e4umte nachholen. 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