{"id":290,"date":"2009-11-30T22:15:49","date_gmt":"2009-11-30T20:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.laurasalm.com\/?p=290"},"modified":"2019-11-30T10:50:12","modified_gmt":"2019-11-30T08:50:12","slug":"afrika-mit-der-seele-erkunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.laurasalm.com\/?p=290","title":{"rendered":"Afrika mit der Seele erkunden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.laurasalm.com\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/DSC_0108.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-912 size-full\" src=\"https:\/\/www.laurasalm.com\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/DSC_0108.jpg\" width=\"560\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.laurasalm.com\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/DSC_0108.jpg 560w, https:\/\/www.laurasalm.com\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/DSC_0108-300x114.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/magazin\/reisen\/afrika_mit_der_seele_erkunden_1.4070026.html\" target=\"_blank\">NEUE Z\u00dcRCHER ZEITUNG<br \/>\n<\/a><a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/magazin\/reisen\/afrika_mit_der_seele_erkunden_1.4070026.html\" target=\"_blank\"><strong>Afrika mit der Seele erkunden<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Die westafrikanische Republik Benin ist die Wiege des Voodoo &#8211; eine Reise zu den G\u00f6ttern, Fetischen und Medizinm\u00e4nnern<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Voodoo beherrscht alles im kleinen westafrikanischen Staat Benin, von dessen rund neun Millionen Einwohnern sich eine gro\u00dfe Mehrheit zu diesem traditionellen Kult bekennt.<\/strong><\/p>\n<p>Um den Opferaltar am Boden dr\u00e4ngen sich die Zuschauer. Kinder schreien, drei Frauen murmeln unverst\u00e4ndliche S\u00e4tze vor sich hin, Handys klingeln, Menschen kommen und gehen. Dann pl\u00f6tzlich sticht der Mann das spitze Messer gezielt in den Hals der Ziege. Das Blut ergiesst sich \u00fcber die am Lehmboden aufgebauten Kalebassen und Holzfiguren. Das Tier zuckt noch, als es weggetragen wird; drei weitere Ziegen und ein Huhn erleiden dasselbe Schicksal. Es dauert nur wenige Minuten, dann trocknet auch ihr Blut in der Morgensonne. Ein blutbespritztes Glas mit Gin und St\u00fccke einer Kola-Nuss werden herumgereicht. Jeder muss davon trinken und essen; wir auch.<\/p>\n<p><!--more--><strong>Offiziell anerkannte Religion<\/strong><\/p>\n<p>Der Voodoo-Kult beherrscht alles in Benin, dem kleinen westafrikanischen Land, welches als die Wiege dieses Kultes gilt. Opferrituale zu Ehren der Ahnen oder aus Dank f\u00fcr die Erf\u00fcllung eines Wunsches geh\u00f6ren hier zum Alltag. \u00dcberall trifft man auf Tempel und Fetische, welche verschiedene G\u00f6tter des Voodoo-Pantheons verk\u00f6rpern. Der Kult verbreitete sich mit dem Sklavenhandel vor allem nach Amerika und in die Karibik. Dort mussten die Sklaven den christlichen Glauben ihrer Herren annehmen, doch ihre eigenen Riten praktizierten sie im Geheimen weiter; die Religionen vermischten sich. Heute bezeichnen sich knapp 70 Prozent der fast neun Millionen Einwohner Benins als Christen oder Muslime, doch die Mehrheit glaubt auch an Voodoo. Seit 1996 ist der Kult sogar offiziell als Religion anerkannt.<\/p>\n<p>Auch der 30-j\u00e4hrige Guy findet das ganz normal. \u00abIch bin Katholik\u00bb, sagt der Enkel eines bedeutenden Voodoo-Priesters aus Ouidah, \u00ababer ich nehme an den Festen und Zeremonien teil. So zolle ich den Ahnen meinen Respekt.\u00bb Wie viele andere Christen geht er sonntags in die Kirche und nimmt abends an einem Voodoo-Fest teil. Dazu geh\u00f6ren etwa die wirbelnden Zangbetos; bunte Heuhaufen, die sich wild im Kreis drehen. Unter den Kost\u00fcmen verstecken sich M\u00e4nner, die sich in Trance befinden. Die Menschen in Benin glauben, dass ihre K\u00f6rper so von den Geistern der Nacht gesteuert werden k\u00f6nnen. Und weil diese Geister alle \u00dcbelt\u00e4ter erkennen sollen, sieht man in den Zangbetos eine Art Voodoo-Polizei, die Hexen und Diebe aufgreift.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich bedeutend ist das Auftreten von Egunguns; M\u00e4nnern mit aufwendig bestickten Umh\u00e4ngen und dekorierten Masken. Hier glaubt man, dass sich unter den Kost\u00fcmen keine Menschen, sondern die Geister der Ahnen befinden. Unmenschlich sind auch die blechernen Stimmen der Kost\u00fcmierten. Sie k\u00e4men aus dem Jenseits, heisst es als Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Ursprung dieser unheimlichen Kl\u00e4nge. Deshalb gilt auch, dass bereits eine einzige Ber\u00fchrung eines Egungun zum sofortigen Tod f\u00fchre. So wundert es nicht, dass kleine Kinder kreischend vor den Unget\u00fcmen davonlaufen und Erwachsene angsterf\u00fcllt zur Seite springen.<\/p>\n<h4>Schwarze Schafe<\/h4>\n<p>Voodoo hat nichts mit schwarzer Magie zu tun, sagt Dagbo Hounon Tomadjlehoukpon Metogbokandji II. Er ist das Gegenst\u00fcck zum Papst; das weltweite Oberhaupt aller Voodoo-Anh\u00e4nger. Nachdem ein angemessener Preis von zehn Euro f\u00fcr eine Audienz ausgehandelt worden ist, empf\u00e4ngt er uns in seiner Lehmh\u00fctte. Ganz in Weiss \u2013 der Farbe des Voodoo \u2013 gekleidet, thront er auf einem braunen Pl\u00fcschsofa. \u00abWas hat es denn mit den Zombies und mit n\u00e4geldurchbohrten Puppen auf sich?\u00bb, frage ich, gepr\u00e4gt von Filmen aus Hollywood. Er l\u00e4chelt: \u00abUnsere Religion ist rein. Sie dient dem Heilen und erh\u00e4lt das Gleichgewicht in der Gemeinschaft. Nur gibt es leider auch bei uns schwarze Schafe, die sich der Hexerei verschrieben haben.\u00bb Der Taxifahrer Thierry hat schon mit ihnen zu tun gehabt. Er sagt: \u00abMeine Nachbarin wurde w\u00e4hrend ihrer Schwangerschaft verhext. F\u00fcnf Jahre trug sie das Kind in ihrem Bauch; konnte es nicht geb\u00e4ren. Laut den \u00c4rzten war es aber gesund. Sie suchte Hilfe bei einem Medium, der die b\u00f6sen Geister austrieb. Doch statt eines S\u00e4uglings gebar sie Watte und N\u00e4gel.\u00bb \u00c4hnliches h\u00f6rt man h\u00e4ufig \u2013 statt Watte kommen auch Spiegel oder Karpfen zur Welt.<\/p>\n<p>Wer einen besonders grossen Wunsch hat, pilgert zum Dankoli-Fetisch nahe der Stadt Savalou. Der Gott, der von einem stinkenden, schwarzen Haufen aus Blut, Knochen, Federn und Palm\u00f6l verk\u00f6rpert wird, ist so m\u00e4chtig, dass man nicht einmal einen Priester als Mittler ben\u00f6tigt. Die H\u00fcter des Fetischs erz\u00e4hlen von unsterblich Kranken, die vom Dankoli geheilt wurden; von Studenten, die eine fast unm\u00f6gliche Pr\u00fcfung bestanden; und von Kindern, die nur dank diesem Gott zur Welt kamen.<\/p>\n<h4>Eindr\u00fccklicher Fetisch-Markt<\/h4>\n<p>Werden die W\u00fcnsche erf\u00fcllt, m\u00fcssen \u2013 je nach Abmachung \u2013 H\u00fchner, Ziegen oder K\u00fche geopfert werden. Die Zutaten f\u00fcr solche Rituale kauft man nat\u00fcrlich auf dem eigens dazu eingerichteten Fetisch-Markt. Eine der gr\u00f6ssten dieser Voodoo-Apotheken findet sich in der Hauptstadt Cotonou auf dem Grand March\u00e9 du Dantokpa. Man muss nur dem Geruch der Verwesung folgen und trifft auf die St\u00e4nde, die sich entlang der Lagune der Stadt dr\u00e4ngen. Neben verschrumpelten Hunde- und Affenk\u00f6pfen liegen Kadaver von V\u00f6geln, Cham\u00e4leons und anderen Tieren, Knochen, Tierh\u00e4ute, lebende und tote Schlangen und Gri-Gri genannte Amulette. Manch einer reibt seinen K\u00f6rper aber auch mit einer zermahlenen Eidechse ein, um sich gegen Unf\u00e4lle und das B\u00f6se zu wappnen. Das beeindruckendste St\u00fcck im Sortiment ist der halb verweste Kopf eines Flusspferdes. \u00abDen braucht man zur Bek\u00e4mpfung eines starken Zaubers\u00bb, weiss der Verk\u00e4ufer.<\/p>\n<p>An einem anderen Stand kann man sich sein Fa-Orakel lesen lassen. Ein \u00abBokonon\u00bb wirft eine doppelte Schnur mit acht halben \u00d6lpalmenn\u00fcssen. Das Fa ist wohl eines der \u00e4ltesten und kompliziertesten Orakel-Systeme der Welt. \u00dcber 250 Zeichen k\u00f6nnen sich aus den Nussh\u00e4lften ergeben, je nachdem, wie sie fallen. Der \u00abBokonon\u00bb behauptet, dass er mit ihrer Hilfe in die Seele der Menschen schauen kann. Einem Fremden kommt der Kult aber h\u00f6chst geheimnisvoll vor. Und so soll es auch sein, denn Voodoo heisst \u00fcbersetzt \u00abDas, was man nicht ergr\u00fcnden kann\u00bb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NEUE Z\u00dcRCHER ZEITUNG Afrika mit der Seele erkunden Die westafrikanische Republik Benin ist die Wiege des Voodoo &#8211; eine Reise zu den G\u00f6ttern, Fetischen und Medizinm\u00e4nnern Voodoo beherrscht alles im kleinen westafrikanischen Staat Benin, von dessen rund neun Millionen Einwohnern sich eine gro\u00dfe Mehrheit zu diesem traditionellen Kult bekennt. 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